Sarah Kolumna: Lebens-Mittel-Vergiftung

Letztens habe ich mich mit meiner Freundin Elisa unterhalten. Über Flo. Mit Flo (Florentin) waren Elisa und ich in der Klasse und jeder kannte Flo, weil Flo im Grunde herzenscharmant und Zucker war. Heimlich waren glaube ich alle in Flo verliebt und manche sogar un-heimlich.

Doch soweit wir zurück rechnen können, war Flo nie wirklich mit jemandem zusammen, es gab nur so ein paar emotionale Zwischengänge mit Schönmädchen, aber auch darüber wurde nicht viel gesprochen, einerseits weil Flo selbst das nicht wollte und andererseits weil wir alle anderen un-heimlichen Verliebten eh nur traurig gewesen wären, davon zu hören. Besonders Elisa.

Und nun haben Elisa und ich diesen Flo wieder gesehen, noch immer in denselben Schuhen wie damals, immer noch „grundsätzlich Single“. Somit habe ich Elisa einen dezenten aber doch deutlichen Schubs von der Seite gegeben  und sie quasi ins Gespräch mit Flo und in die Altliebe reingekickt. Jaja, Liebe tut weh.

Am Tag danach hat mich Elisa angerufen und gesagt, sie brauche erstens ein Aspirin gegen Kopfweh und zweitens Kekse gegen Herzweh. Ich habe ihr natürlich alles gebracht und mir vom Abend erzählen lassen. Sie sind wohl in ein Restaurant gegangen dann und Elisa hat gesagt, es hätte sie fast zerrissen vor lauter Nicht-Hunger aufs Hauptgericht und Hunger auf Schmusen mit Flo. Wer will schon Essen, schließlich ist doch Elisa das Hauptgericht, nicht? Flo erzählte Elisa davon, dass er eben ständig „auf der Suche nach was Neuem“ sei und sich nie „festlegen könne“ aber dass sie doch was „Besonderes“ wäre, hat er sie umschmiert und sie hat währenddessen auf ihrem Stuhl ein bisschen Raclette gespielt und ist wie ein weicher Gauda zerflossen.  

So besonders nämlich, dass er sie auch sofort mit nach Hause nehmen muss. Wer braucht schon Nachspeise. Schließlich ist sich Flo selbst genug Dessert. Also ist Elisa mitgegangen, the time ist schließlich now und außerdem hat sie eh die schöne Unterwäsche an- was nicht immer der Fall ist.

Das war genau 8 Stunden vor Aspirin und Keks. Die ersten vier Stunden, die im Liegen verbracht wurden, war alles noch in der sprichwörtlichen „Butter“. Dafür  hat er Elisa in den restlichen vier Stunden im Stehen nur erklärt, dass es „an ihm und nicht an ihr“ liege und dass er eben „beziehungsunfähig“ sei, während Elisa nur mit offenem ungläubigen Mund dagestanden hat, mit vor Mascara verpickten Augen und gar nicht glauben konnte, dass sich jemand überhaupt noch traut diese Floskeln zu benutzen, die ungefähr so unpassend sind wie Duftkerzen zum Geburtstag. Das tut man nur Leuten an, die man nicht mag, also beides – die Kerzen und die Sätze.

Was hat Elisa gelernt? Wir wollen Hauptgerichte sein, keine Beilagen! Flos wird man schwer los, eine Sekunde am Gaumen ein Jahr an der Hüfte…äh am Herzen,  von einem schönen Teller isst man nie alleine, und vor allem: Manche Dinge ändern sich nie. Wie sagt Phillipe Djian? „Und wenn es ein Jahr lang regnen würde- würde das Meer davon süß?“ Eben, nein, das weiß auch Elisa und beißt sauer ins ewig süße Keks. Kekse und Flos bleiben für immer süß-aber der Nachgeschmack ist meist bitter. Wenn man Pech hat bekommt man am Tag danach einen Zuckerschock.

Elisa befand Flo für schwer verdaulich- wie viel zu öligen Gouda. Liebe geht schließlich durch den Magen-und Käse schließt ihn.

Elisa beißt ins Keks und sagt tapfer: „Aber trotzdem war es das wert!” und dann noch überzeugter: “Schöner Abend“. Wir einigen uns darauf, dass sie trotzdem Glück gehabt hat, weil besser nur kurz einen Keks gekostet als gar nicht, es geht um den Moment der zählt. Wie sagt Forrest Gump? “Das Leben ist wie eine Pralinienschachtel-Man weiß nie was man kriegt.”

Dann wird Elisa schlecht. Der Keks, den ich ihr mitgenommen habe war leider ein Flo-rentiner. Scheiß Lebens-Mittel-Vergiftung.

Eure, Sarah

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