Wenn wir Frauen eines zugeben müssen in unserem Leben, ist es, dass wir uns (bis auf enge Freundinnen) wirklich nicht die Schönheit wünschen. Brutal, das auszusprechen, nicht? Aber macht nichts, es geht doch um die kaputtzitierten „inneren Werte“, Hülle ist nur Hülle, Füllung wollen wir, und zwar jede eine ganz eigene Paste. Persönlichkeit eben.
Aber trotz Generation Facebook, in der jeder x-beliebige ein Foto von mir downloaden kann um es in sein Profil einzusetzen, ist Persönlichkeit noch lange keine public domain, die es erlaubt, dass jemand meine eigene Paste nimmt und diese in sein Leben copy und paste-d.
Wer das macht? kopierende Freundinnen, Cousinen, Bekannte, oder wie ich gerne sage: Guttenbergerinnen. Jetzt nicken ganz sicher sehr viele von euch, weil ihr es kennt und vielleicht gerade am Facebook Profil eurer Guttenbergerin jenes T-Shirt anklickt, das ihr euch vorgestern gekauft habt. Das ist Urheberrechtsverletzung, und was für eine.
Ich hab mich natürlich durch viele Foren geklickt, was man im Plagiat-Fall so machen kann, und habe herausgefunden, dass es dieses Problem anscheinend schon seit immer gibt, quasi Plagi-alt. Früher wurde man wenigstens noch direkt kopiert, aber wenn man nachhause kam war man wieder (urheberrechtlich) geschützt. Heute wird eine doppelte Kopie gemacht und zwar eine echte und eine im Internet. Gleiche Alben, gleicher Status, Tandem-Likes, gleiche (Ex) Freunde. In einem Wort : gleiches (Lebens) Profil.
Und was sagen Experten? Man solle sich doch in Zukunft etwas Hässliches anziehen (oder ein furchtbares Profil haben) und darauf warten, dass man wieder kopiert wird. Aber mal ehrlich: Will ich hässlich sein, nur damit jemand anderes auch hässlich ist? Ist das nicht abgefahren? Ist nicht Neid die größte Anerkennung?
Und was mache ich eigentlich, wenn meine Guttenberg dann dabei bleibt mein altes (gutes) Ich zu kopieren und ich in der Latzhose mein neues (mieses) Ich ausführe? Das macht keinen Sinn. Vor allem wenn eines passiert: Deine Cousine nimmt dein Pasten-Grundrezept und macht eine bessere Füllung draus. Eine, die eine Runde besser schmeckt. Quasi chef de cousine.
Die Wahrheit ist, hat sich eine Guttenbergerin mal auf dich eingekocht, gibt es nichts was du machen kannst. Von wegen: Rede mit ihr, sag ihr das dich das stört ecetratra. So weckt man nur schlafende Hunde. Es wird irgendwann von alleine verschwinden, wenn man Glück hat. Aber ja ich weiß, man bekommt unsägliche Wut und allem pädagogischen Rat zum Trotz kann man es nicht als Kompliment sehen. Es pisst einen an. Ko.pee.
Das einzige, das uns bleibt, ist die Hoffnung, dass Frau Guttenberg selbst raubkopiert wird. Am besten ist wahrscheinlich, mit denselben Waffen zurückzukopieren. Oder ganz professionell Füllung zu stehlen. Wie Pablo Picasso schon meinte: „Bad artists copy. Good artists steal.“
Aber auch an die Guttenbergerinnen einen Rat: Seid so fair und gebt wenigstens die Quellen an, zitiert eure anerzogene Paste richtig- hätte euer Patenonkel Karl Theodor von und zu das gemacht, wäre er heute noch Herr Doktor. Wir wollen uns bitte wiederhaben.Und vor allem, passt auf, welches Rezept ihr kopiert, denn auch Urheber machen Fehler.
Wie sagt Jimi Hendrix? „I’ve been imitated so well I’ve heard people copy my mistakes.“ Eben. Und das habe ich jetzt auch kopiert, aber ich habe brav und vernünftig die Quelle angegeben. Und wie wir von der Serie „Charmed“ gelernt haben, sollte man sich mit „der Quelle“ nun wirklich nicht anlegen.
© Sarah Kolumna.

