Sarah Kolumna: Born to die?

Letztens habe ich wo zugehört. „Die Lana del Rey“, sagte einer und rollte auswendig gelernt mit den Augen. Und der andere sagte: „Die ist gut“. Wer dritter schaltete sich dazu und meinte altklug: „Nein, die funktioniert nur auf youtube, die kann nix mit ihrer klebrigen  Romantik, das ist so ein Hype und Hypes mag ich nicht“. Darauf wieder der zweite: „Ja, aber ich höre mir schon aus Protest jeden Tag ihr „Born to die“ Album an, weil ich Leute hasse, die etwas hassen, nur weil etwas Hype ist“.

Der erste augenrollt wieder und hebt den Zeigefinger, der immer ein „aber“ bedeutet: „Nur weil man ablehnt, dass etwas nicht gleich schlecht ist, weil es Hype ist, muss es nicht automatisch gut sein. Ich hasse Leute, die etwas mögen, nur weil andere es ablehnen, weil es Hype ist“.

Der Mainscream…

Diesmal rolle ich mit den Augen. Wohin soll das führen? Es scheint schon lange der Trend zu sein, dass wir Dinge nur dann gut finden, wenn andere es nicht gut finden. Nicht umsonst verkaufen sich jedes Jahr wieder die 70er, die 80er und auch die 90er Sampler so blendend, weil was früher Mainstream und peinlich war heute Retro und unpeinlich ist.

Man kann sicher davon ausgehen, dass eine Band, eine Mode, ein Film genau in dem Moment aufhört cool zu sein, als er berühmt und somit für jeden zugänglich ist. Der Mainstream ist nämlich ein reißender Fluss auf der A1 Richtung Ruin. Da können besagte Künstler so viel um ihr Leben schreien wie sie wollen (der sogenannte Mainscream).

Leider Geil…

Wir finden eine Sache gut, solange sie ein Geheimtipp ist. Solange sie noch nicht so oft cool gefunden wurde, dass sie daran erstickt. Oder wie sagt man so schön? „ Leider geil zu sagen ist das akustische Ed Hardy T-Shirt.“ Und warum? Es geht um Individualismus. Jeder will doch so gerne ein „eigener Mensch“ sein, mit „eigenem Geschmack“.  Mag die ganze Welt Erdbeereis, mag ich Schokolade. Fanden wir früher Britney Spears erbärmlich, darf „Baby one more Time“  heute um zwei Uhr morgens nicht fehlen. Wehe!

Wisst ihr was? In genau fünf Jahren werden wir unser Ed Hardy Shirt, das zwischenzeitlich „Vintage“ geworden ist, wieder in einen Hipsterclub ausführen. Wir fahren sicher: wer „Vintage“ trägt hat schon gewonnen. Win-tage. Und wisst ihr was die Leute dazu sagen werden? Genau. Leider geil.

Ewig dasselbe: Wir lieben Dubstep, wir hassen Dubstep. Wir lieben Dubstep wieder aber bitte zur Hölle mit Skillrex. Ich komme nicht mehr mit. Gehirnerschütterungen bekomme ich davon. So sehr, dass ich unlängst auf die gefürchtete: „Was hörst du so- Frage“ mit „Bibi Blocksberg“ geantwortet habe worauf der Liebhipster gemeint hat, man höre jetzt wieder TKKG, Bibi sei noch immer ein bisschen zu „1995“. Es kann doch auch etwas Mainstream und gut sein. Ich finde ich bin schon individueller wenn ich Mainstream höre und mich nicht abwende.

Go play your Videogames…

Und Lana del Rey? Sie ist unkaputtbar. Je öfter sie als flacher Trash beschimpft wird, desto öfter wird sie aus der Trash Schublade rausgeholt, abgestaubt und zur Ikone erklärt. Anfangs ist sie toll. Dann regen wir uns darüber auf,  dass sie unselbstständig ist und  mit ihrer Schlauchlippenromantik uns davon erzählt, dass sie sich vor ihrem Partner im Seidenkleid räkelt, der lieber „Video Games“ spielen will. Aber dann: nächste Runde: Wir werden doch noch Seidenkleider anhaben dürfen und verliebt sein ohne gleich als das Mädchen hinterm Herd zu gelten. Wie du es auch drReyst  und wendest, wir wissen immer noch nicht, ob wir sie gut finden. Sollen.

Es ist alles gesagt. Egal, welche Position wir einnehmen, geht es in  einem Atemzug doch nur um eines: originell zu sein. Aber das gibt es nicht mehr. Das ist ausverkauft. Alles Originelle und Gescheite ist schon gesagt. Drum bleibt nur Banales: Männer spielen Videogames.  Und Frauen singen darüber.

Born to die…

Sterben müssen wir ja schließlich  alle,  singt Lana in „Born to die“. Every trend is born to die.  Dazwischen finden  wir Sachen gut, nicht mehr gut und  so mies dass es wieder gut ist. Egal wo wir gemeinsam etwas gut finden, sind schon längst  Nischenhocker am Start, die es als persönliche Beleidigung empfinden, wenn „ihre“ Band Erfolg hat.

Oder wie ich unlängst  unter einem Indie Video gelesen habe: „Oh my God, 3.Million clicks. I can hear those hipsters cyring“ Ha!

Eure Sarah

(Ps: ich gehe jetzt ein Monat in Kolumnenpause. Aber da ich auch unkaputtbar bin, komme ich im September wieder. Bis dahin Adieu.)